Antisemitismus in Reinkultur: die SZ dämonisiert Israel

Und hier nun der Anlass, der in mir das dringende Bedürfnis ausgelöst hat, wieder Statements in die Welt abzugeben (auch wenn sie wahrscheinlich niemand liest): heute morgen war in der Süddeutschen Zeitung ein unerträglich antisemitisches Bild abgedruckt. Auf der Seite „Politisches Buch“ wurden in einer Doppelrezension zwei Bücher zu Israel rezensiert – die Renzension war zwar auch unglaublich einseitig in ihrem israelkritischen Ton, war aber noch durchaus erträglich im Gestus der Kritik, da ist man doch schlimmeres gewöhnt. Nein, die Tragödie war das Bild samt Bildunterschrift. Ein gehörntes Monster (ich habe es mal als Teufel identifiziert) sitzt in einem Bett und lässt sich von einer weißen Frau Frühstück servieren, dazu die Bildunterschrift beginnend mit „Deutschland serviert“ und einem Bezug zu deutschen Waffenlieferungen an Israel. Das Verständnis, das sich aufdrängen muss: Deutschland dient einer fremden Macht, die auch noch so aussieht wie der Jude in einer Stürmer-Karikatur. Sämtliche antisemitischen Klischees bedient, dazu den Anschluss an den Diskurs gefunden, dass Deutschland sich doch endlich mal von seiner Schuld freimachen müsse und nicht mehr so servil gegenüber Israel aufzutreten habe.

Ich habe meine Kritik umgehend per Leserbrief an die an die SZ geschrieben und – das hat mich dann positiv überrascht – umgehend eine Antwort von Franziska Augstein, der zuständigen Redakteurin, bekommen. Inhaltlich deckt sich ihre Antwort an mich mit ihrer Stellungnahme, die sie etwas später auch im SZ-Blog veröffentlicht hat. Leider zeigt Augstein keinerlei Verständnis für die Kritik, sondern rechtfertigt sich, indem sie behauptet, dass das Bild die Sicht der Feinde Israels darstellen solle und nicht die Realität karikiere. Dies verdeutliche der vierte Satz der Bildunterschrift. Entschuldigung, Frau Augstein, aber dieser Gedankengang erschließt sich weder beim flüchtigem Blick auf die Seite, noch beim einmaligen Lesen der Bildunterschrift, sondern höchstens nach Ihrer Erläuterung. Wer so argumentiert, hat sich keinerlei Gedanken darüber gemacht, wie antisemitische Bildformung funktioniert. Außerdem distanziert sich Augstein in keiner Weise von der Idee, dass Deutschland Israel Waffen „serviere“, also Dienerin eines fremden Herren ist. Die Zeitungsseite bleibt Dämonisierung Israels in Reinkultur.

Das Bild gehört übrigens in einen ganz anderen Kontext und Ernst Kahl, der Künstler, ist entstetzt, wofür es herhalten musste. Diese und weitere Hintergrundinformationen gibt es in einem Artikel der Jüdischen Allgemeinen, dort ist auch besagtes Bild nochmals zu sehen.


1 Antwort auf “Antisemitismus in Reinkultur: die SZ dämonisiert Israel”


  1. 1 Linksammlung zur antisemitischen Karikatur in der SZ | Tagedieb Pingback am 03. Juli 2013 um 15:21 Uhr
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